Zur Geschichte Bürgstein's und seiner Besitzer

Zur Geschichte Bürgstein's und seiner Besitzer

Beitragvon Mario » Mo 10. Okt 2011, 12:47

Zur Geschichte Bürgstein's und seiner Besitzer
Verlässt der Wanderer die kühle Waldesdämmerung, welche kurz vor Bürgstein, dem Ziele seiner Wanderung, ihn umfing, so tritt ihm kurz vor einer schroffen Biegung des Weges plötzlich ein überraschendes Bild vor Augen. Hoch und majestätisch erhebt sich zur Linken der Straße ein mächtiger Kegel von Sandstein, vollständig isoliert in weiter, blumiger Au. Mit Staunen erhebt der Wanderer seinen Blick zu jenen Höhen, welche die kundige Hand des Menschen mit geringen Mitteln zu einer Stätte menschlichen Daseins umzuwandeln vermochte, einem Herrensitze, dessen Bewohner einst die Geschichte des im Tal liegenden Ortes Bürgstein lenkten.
Dunkel und sagenumworben ist das erste Auftreten Bürgstein's und seiner Besitzer in der Geschichte; die älteste bekannte Nachricht gibt uns Johann von Gabin: Eyn lantherre waz gesessen by der Lypen, der his her Quale, dezselben waz das gebirge yensit bis an di Leype. Dieser Shwal stammte aus dem Geschlechte derer von Hronowic, einem der ältesten Adelsgeschlechter Böhmens. Er war es auch, der, gelegentlich einer Jagd in den weiten Waldungen seines Gebietes auf einen Felsen - Oybin - aufmerksam gemacht, ein Jagdschloß auf demselben erbauen ließ, das jedoch bald wieder zerfiel und erst von späteren Besitzern wieder in Stand gesetzt wurde.
Lange Jahre hindurch schwieg die Geschichte von da an, bis endlich im 14. Jahrhundert der Name Sloup (Bürgstein) urkundlich beglaubigt uns erscheint.
Im Jahre 1374 finden wir nämlich einen Besitzer von Bürgstein, damals Stolpen genannt, Herrn Hynco Berka von Duba, und mit ihm beginnt für Bürgstein eigentlich erst ein geschichtliches Dasein. Hynco Berka war ein gar mächtiger und angesehener Herr, der weite Verbindungen hatte, ausgedehnte Güter besaß. Treuen und liebevollen Herzens nahm er sich seiner Untertanen an und sorgte für deren leibliches und geistiges Wohlergehen. Im Jahre 1362 setzte er in Langenau einen Geistlichen ein, ebenso in Chlum, 1364 in Pawlowitz. Auch für Bürgstein sorgte er auf das Angelegentlichste. Hier setzte er am 10. Juli 1374 den Pfarrer Petrus ein, da die Pfarrei in Folge Abdankend des Pfarrers Alberts ledig geworden war; doch blieb dieser Seelsorger nur kurze Zeit an seinem neuen Bestimmungsorte, da er bereits am 14. Dezember 1377 seinen Sitz mit der Pfarrei in Liebig umtauschte, worauf ein gewisser Johannes diese Stelle in Bürgstein erhielt, der aber bald darauf starb, so daß Hynco Berka schon 1380 einen neuen Pfarrer, Heinrich, an seine Stelle berief, der dieselbe auch bis zum Jahre 1395 behielt, in welchem Jahr er jedoch auf sie Verzicht leistete. Auch in anderer Hinsicht war Hynco ein treuer Vater seiner Untertanen. Als im Jahre 1384 ein Brand die Stadt Leipa verheerte, da erließ er eine Urkunde, in welcher er der Stadt durch drei Jahre den jährlichen Zins nachsah, damit die Bürger ihre in Asche gelegten Häuser wieder aufbauen konnten.
Leider blieb Hynco nur allzu kurze Zeit im Besitze von Bürgstein. Schon am 14. Oktober 1412 verkaufte er Dorf und Veste Slup, mit dem Patronatsrechte über die Kirche, zwei Mühlen und das Dorf Radvanic (Rodowitz) an Hans Welfl von Warnsdorf um 200 Schock. Die Gründe, welche ihn zum Verkaufe seines Gutes und zu der schon im Jahre 1391 erfolgten Teilung seiner Besitztümer bewogen, sind unbekannt. Wohl mag sein hohes Alter einer der Beweggründe gewesen sein, die ihn zu diesem Schritt veranlaßten.
Der neue Besitzer, Hans Welfl von Warnsdorf übernahm nun diese neue Besitzung; doch ist von seinem Wirken für uns auf derselben nur wenig bekannt; so viel ist sicher, daß er seine Herrschaft noch 1426 besaß; doch taucht er auch noch später in der Geschichte auf.
Nordböhmen hatte im 15. Jahrhundert furchtbare Kämpfe zu bestehen. Nach dem Wozitzer Frieden vom 18. Oktober 1425 ergossen sich die Scharen der Hussiten sengend und mordend über das nördliche Böhmen, das, hilflos, ihnen nur geringen Widerstand entgegenzusetzen vermochte. Zwar hatte man sich an das deutsche Reich um schleunige Hilfe gewendet, doch dieses vermochte bei seiner Zerfahrenheit und dem so kläglichen Besuche des Reichstages, den selbst König Ferdinand, durch Krankheit verhindert, nicht besuchte, keine Hilfe zu gewähren. Nur die Markgräfin Katharina von Meißen, Gemahlin Friedrich's des Streitbaren, sandte Truppen nach Böhmen, um dasselbe vor der Wut der Hussiten zu schützen. Doch vergebens. Der religiöse Fanatismus der Hussiten verhalf ihnen auch hier wiederum zum Siege, und so sank denn allmählich eine Stadt nach der anderen in Staub und Asche. Im April 1426 erschienen die Scharen des Johann Roha? von Duba vor Weißwasser, und zerstörten es gänzlich, um sich dann weiter nördlich gegen Leipa zu wenden. Trotz der tapfersten Verteidigung dieser Stadt gelang es den Belagerern dennoch, sie am 19. Mai einzunehmen. Bald ereilte dasselbe Schicksal auch die umliegenden Ortschaften. So mag denn auch Bürgstein von seinem Verhängnisse erreicht und gleich den anderen Flecken zerstört worden sein. Nicht nur Böhmen wurde verheert, auch die Lausitz verfiel den raubsüchtigen Händen der Hussiten. Diese hatte insbesondere viel von dem Geschlechts der Wartenbergs zu leiden, das, einst ihr Bundesgenosse, später den Hussiten sich angeschlossen hatte, um im Vereine mit ihnen unsere Heimat zu verwüsten. Besonders häufig aber wurden die Einfälle in die Lausitz, als im Jahre 1433 die Zittauer den in ihrer Gewalt geratenen Johann v. Wartenberg öffentlich hinrichten ließen. Empört über diese Verletzung der Rechte des Adels, erhoben sich zahlreiche der im Norden Böhmens ansässiger Herren und Ritter, um furchtbare Rache zu nehmen. Unter diesen Kämpfern finden wir manchen bekannten Namen, so Mykssic Pancer von Smoyn auf dem Birckstein, Hans Wulffel, Gindersich von Wartenberg auf Leipa, Ian Berka zu Paulowicz, Wilhelm von Wartenberg zu Reichsstadt, Wilhelm von Ilburg auf Ronow u.a.
In zahlreichen Zügen wurde systematisch das ganze Gebiet der Lausitz verheert, die Städte und Dörfer in Brand gesteckt, kein Gefangener, besonders kein Zittauer wurde geschont. Unbarmherzige, blutige Rache ereilte die Frevler an den Vorrechten des Adels.
Vierzehn Tage vor Augustini des Jahres 1444 unternahm Wilhelm von Ilburg auf Ronow, der nachmalige Besitzer von Bürgstein, "mit andern possatken, Tetczin, Kempnicz, Birkenstein, Jegersdorff, Brenne, Postram etc." einen Streifzug in das Gebiet von Zittau und gelangte hierbei bis vor das böhmische Tor. Obwohl die Zittauer mit ihnen "in guter handelung sossen", so ließ man sich hierdurch doch keineswegs abschrecken; es ritten vielmehr fünf von Wilhelm's Leuten in die Stadt, wo sie sich für Gesellen des Albrecht Berka ausgaben, und gegen 20 Kühe und zehn Pferde raubten. Doch die Zittauer machten sich auf, setzten dem Feinde nach und holten ihn bei Gabel ein. Durch ihre Tapferkeit gelang es ihnen, den Räubern die gemachte Beute abzujagen und ihnen noch einen empfindlichen Schaden zuzufügen. Ilburg und sein Pferd hatten im Kampf 16 Wunden davon getragen.
Den Lausitzern standen in diesen Wirren einige böhmische Herren und die Prager Städte als Bundesgenossen zur Seite. Am 24. März 1443 hatte Heinrich der Jüngere von Wartenberg und sein getreuer Helfershelfer, der Burggraf "Mikesch Panci?" auf Slaup, den letzteren die Fehde angekündigt. Doch die Wartenbergs sollten ihre Raubzüge nicht ungestraft fortsetzen. Im Jahre 1445 beschloß man gemeinschaftlich mit dem Leitmeritzer Kreisaufgebote, den fortwährenden Einfällen der Feinde ein Ende zu machen und einen Heerzug gegen sie zu rüsten. Johann von Smi?ic, der Leitmeritzer Kreishauptmann, schrieb am 11. November 1445 an Ullrich von Rosenberg: ..... "Slup aber wollen wir gemeinschaftlich mit jenen guten Leuten (den Sechsstädtern) berennen und nicht früher ablassen, bis wir die Sache beenden". Der Landvogt der Lausitz, Thymo von Tolditz, der zum Feldzuge geraten hatte, stellte sich selbst an die Spitze des Heeres. Man wandte sich zuerst vor den "Birckenstein, uff dem Miksch Panczer sas, den man vorherte, brante und seyne teiche uffgestochin und czu nichte gemacht hatte". Von hier zog man vor den Reibenick, der ebenfalls ausgebrannt wurde, nach Drum, Sandau und Kamnitz, in welch letzterem Orte Kirche und Stadt dem Feuer überliefert wurden. Nun wandte man sich "vor den dewin, do man auch grossen schaden tat, bisundern am getreigide, das gar wol dye czeit stund", vermochte denselben jedoch nicht einzunehmen, und zog nun nach "Oschatz" und "Utigishorn" (Audishorn), um sich von da der Heimat zuzuwenden.
War auch die Burg Sloup zerstört, die Gegend von Bürgstein auf mehrere Jahre verwüstet, so ließ sich Miksch Panczer doch nicht zum Frieden bewegen. Er kümmerte sich wenig um den Leitmeritzer Landfrieden; im Gegenteil, er schloß sich allein von demselben aus und setzte seine Räubereien in aller Gemütsruhe fort. Da wurden denn abermals zwei Heere gegen ihn ausgerüstet und alle seine Güter verwüstet. Das Schloß ward zerstört und Miksch mußte feierlich das Versprechen abgeben, dasselbe nicht ohne ausdrückliche Bewilligung des Königs wieder aufbauen zu wollen. Bei diesen Friedensverhandlungen in Zittau wurde auch die Burg unter anderen Händen anvertraut und Miksch Panczer mit einer Geldentschädigung zufriedengestellt.
Johann von Smi?ic war es, dem nun die Burg übergeben wurde; doch nicht lange sollte der so angesehene und mächtige Ritter auf Bürgstein walten; denn er verlor bald sein Leben durch - Henkershand. Anlaß hierzu hatte ein Brief gegeben, den er an König Ladislaus richtete, und in dem er die Treue der böhmischen Großen verdächtigen wollte. Als der König diese verleumderische Absicht erfuhr, verurteilte er den Ritter zu Tode (1453).
Allgemach wurde es wieder friedlicher im Lande, die Raubritter mußten sich zur Ruhe bequemen und ihrem räuberischen Handwerke Valet sagen. Am 7. Juli 1452 schloß Miksch Panczer auch mit Friedrich, Herzog zu Sachsen, einen Frieden, in welchen auch die Bürger von Leitmeritz, sowie der schwarze Pet?ik und Ernst aufgenommen wurden. Mittlerweile hat jedoch Bürgstein in Wilhelm von Ilburg einen neuen Besitzer gefunden, dessen weit ausgedehnte Besitzungen ihn zu einem mächtigen Ritter im nördlichen Böhmen machten. Er besaß außer Bürgstein auch die Ronburg bei Drum, die Burgen Hauenstein und Rothenhaus, die Veste Wrany mit Meierhöfen und 16 Bauernhöfen, Mscheny und Budenic und gemeinschaftlich mit Zbyn?k Zajic von Hafenburg die Dörfer Woleschko, Rutschnitz, Liboteinitz und Godowitz. Das auch der König ihn zu schätzen wußte, zeigt der Umstand, daß er ihn (1469) zum Unterkämmerer von Böhmen ernannte. Doch nur kurze Zeit blieb er im Besitze von Bürgstein. Schon am 4. Jänner 1471 verkaufte Wilhelm von Ilburg Burg und Dorf Bürgstein, Radvanec (Rodowitz), Redostojov, Lindov (Lindenau), Zaho?in (Sohr) und Janov, sowie er es von Johann und Fridmann, Brüdern auf Smoyn, erkauft hatte, an Jaroslav, Georg, Johann und Peter Berka von Duba und Leipa um 1000 Schock, so daß nun Bürgstein wiederum an jenes Geschlecht fällt, welches den Ort einst durch lange Zeit besessen und in dessen Eigentume es auch jetzt durch mehr denn 100 Jahre verbleiben sollte.
Wir nähern uns jetzt einer Periode, die in der Geschichte Böhmens von hervorragender, epochemachender Bedeutung ist und den späteren Zeitperioden einen neuen, eigentümlichen Glanz verleiht. Wir treten hinaus aus dem Schatten mittelalterlicher Denk- und Sinnesart, hinaus in die freiere Luft der Neuzeit; die belebenden Strahlen der folgenden Jahrhunderte wecken die Geister aus ihrem träumerischen Dahinleben. Der Wunsch nach einer Änderung der bestehenden religiösen Verhältnisse hatte allenthalben in Deutschland eine Bewegung hervorgerufen, die endlich zu einem gewaltigen Ausbruche führen sollte. Luther, der kühne Reformator, hatte gar bald die Gemüter mächtig entflammt; Städte und Fürsten schlossen sich ihm an, freilich oft nur aus persönlichem Interesse, und in kurzer Zeit war seine Lehre weit hinausgedrungen in die deutschen Lande. Auch Böhmen nahm Teil an dieser reformatorischen Bewegung und bald hörte man die Klagen von Seiten der katholisch Gebliebenen im nördlichen Böhmen, daß große Gegenden der neuen Lehre sich zuneigten. Bensen hatte bereits 1523 einen Pastor in Michael Telius erhalten; 1560 war Oberliebich seinem Beispiele gefolgt, trotzdem die Obrigkeit noch katholisch war. Das Kirchengedenkbuch hat uns die Namen der drei Prädikanten daselbst aufbewahrt: Donath, David Heine und Simon Winsch. 1562 erhielt Böhmisch Kamnitz, 1564 Steinschönau, 1566 Neustadtl, 1572 Hohlen und Pablowitz, 1573 Niemes (Michael Tylenus, früher Oschitz) Pastoren. Auch in Bürgstein hatte allmählich die Lehre Luthers Eingang gefunden. War bisher das Geschlecht der Herren Berka von Duba stets ein treuer Anhänger der katholischen Lehre und Kirche gewesen, so sollte sich das jetzt ändern. Während der Besitzer von Reichstadt, Zdislav Berka, mit aller Macht sich bestrebte, seine Besitzung der katholischen Lehre zu erhalten und deshalb die tüchtigsten Geistlichen des Landes zu sich berief, sollte es nach seinem Tode bald anders werden. Siegmund, Herr auf Leipa, Bürgstein und Neustrahnhof (vermählt mit der Witwe nach Friedrich von Biberstein) berief einen Prädikanten auf sein Schloß in Bürgstein, und bat am 10. Dezember 1564 den Erzbischof Anton von Prag um dessen Bestätigung. Doch scheint derselbe die Lehre Luthers allzu eifrig verbreitet zu haben; denn schon am 17. Feber 1565 mußte Siegmund seinen Pfarrer Christoph Hermann beim Prager Erzbischofe entschuldigen, daß er der verdächtigen Ketzerei nicht schuldig sei, er erbietet sich sogar, wenn der Erzbischof selbst mit seinem Pfarrer zu sprechen wünsche, denselben auf einem Wagen nach Prag zu schicken. Wie sehr Siegmund der neuen Lehre huldigte, beweist der Umstand, daß er 1565 verlangte, der katholische Pfarrer in Leipa solle den Anhängern Luther's die Pfarrkirche räumen und selbst eine Kapelle vor der Stadt benützen.
Siegmund Berka war am 1. August 1570 gestorben und hatte seine Güter seinem Sohn Dittrich Georg Berka hinterlassen, der dieselben aber erst am 15. August 1575 übernahm. Auch er war ein treuer Anhänger Luthers und seine Reisen in Deutschland hatten diese Bande noch fester geknüpft. Überall trachtete er den neuen Glauben einzuführen; als daher auf Bitten der katholischen Bevölkerung Leipa's der Erzbischof den Pfarrer Mathias Stueler (1576) nach Leipa sandte, verfolgte er ihn mit "Ungebührlichkeit und Mißhandlung", in Folge dessen derselbe auch bald Leipa verließ. Inzwischen gewann Luther's Lehre immer mehr an Ausbreitung und nur wenige Orte, wie Dobern und Politz, blieben treu der überlieferten Religion. Die Untertanen folgten dem Beispiel der herrschaft, teils aus religiöser Überzeugung, teils aber auch, und dies sehr oft, aus rein egoistischen Gründen.
Dittrich Georg Berka war nur durch kurze Zeit im besitz seines Erbes. Bereits am 7. Juli 1585 starb er zu Görlitz. Doch sein Tod änderte nichts an den bestehenden Verhältnissen. Seine Gattin Kunigunde übernahm als Vormünderin ihres Sohnes Adam die Verwaltung der Güter (1585, 20. Juli), und blieb der Lehre Luther's ebenso treu wie ihr Gemahl und ihr Sohn, der bald die Herrschaft selbst übernahm. Adfam trachtete mit allem möglichen Fleiß und Eifer den Lutheranern in Wort und Tat beizustehen und machte den katholischen Priestern das Leben recht sauer. Bald verließen sie denn auch ihre Sitze, die frohen Mutes von Prädikanten eingenommen wurden. Ja sein Eifer ging sogar soweit, daß selbst der König hiervon Kunde erhielt und sich Adam gegen die Beschwerde des Erzbischofs, daß er auf seinen Gütern fectische Priester halte und den hingeschickten katholischen Priester zurückgewiesen habe, verteidigen mußte. (9. Oktober 1600)
Am 13. Juli 1607 starb Adam Berka vom Schlage getroffen und wurde zu Leipa begraben. Er hinterließ eine Tochter, Anna Maria, die ihm 1598 geboren wurde, und die sich am 14. September 1616 mit Rudolf Zeydlic von Schönfeld vermählte. Seine Gemahlin schritt bald wieder zu einer neuen Ehe, indem sie am 3. Dezember 1609 Johann Abraham von Salhausen, Herrn auf Markersdorf, zu ihrem Ehegespons sich erkor. Abraham von Salhausen war ein gar gelehrter Mann; er kannte acht Sprachen: Lateinisch, Hebräisch, Griechisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Deutsch und Böhmisch, und hatte auf seinen weiten Reisen ein gut Stück Land kennen gelernt; doch hatte ihm all dies seine rauhe Sinnesart nicht zu ändern vermocht. Sein Jähzorn war unter seinen Untertanen wohl bekannt; hatte er ja doch einmal auf seinem Schlosse in Leipa, das er am 5. September 1616 käuflich an sich gebracht, seinen Schreiber Martin Kuba von Langenau mit einem "hungarischen Pusican" erschlagen. Das er auch sonst seine Untertanen kein liebevoller Herr gewesen, bezeugt uns Kriesche in seiner "Chronik von Leipa". Am 1. April 1617 starb er und hinterließ seine Güter seinem Bruder Wolf Abraham von Salhausen, dem am 16. Juni desselben Jahres von seinen Untertanen gehuldigt wurde. Wolf war am Osterdienstage 1584 zu Markersdorf geboren, und vermählte sich 1614 mit Christine von Bünau, aus dem Hause Eyla, die ihm zwei Söhne und drei Töchter gebar. Als diese nun am Sonntage nach Bartholomäi 1621 in Leipa verstorben war, blieb er durch 18 Jahre Witwer, um sich erst 1639 mit Anna Polyrena Tapplerin von Sulowitz zu vermählen, von der er einen Sohn und eine Tochter erhielt. Seine Tochter erster Ehe, Maria Sibylla, vermählte sich mit dem Rittmeister August von Kötteritz, seine Tochter zweiter Ehe, Anna Katharina, vermählte sich 1658 am 3. März mit Georg von Dölau auf Ruppertsgrün.
In schwerer Zeit hatte Wolf Salhausen die Leitung seiner Güter übernommen. Die immer mächtiger werdende Partei der Protestanten, der auch Wolf angehörte, hatte Friedrich von der Pfalz zu ihrem König erwählt. Bei solchen Vorgängen konnte auch der Kaiser müßig bleiben und rüstete zum gewaltigen Entscheidungskampfe. Im Jahre 1620 waren die gegenseitigen Rüstungen beendet. Sorglos, wie immer, hatte Friedrich den ereignissen entgegen gesehen; um so mächtiger traf ihn der Schlag, als am 8. November 1620 sein Heer vor Prag vernichtet wurde. Gewaltig waren die Folgen dieser Niederlage. In ungezügelten Scharen ergossen sich die Truppen über friedliche Ortschaften, und gar bald bezeichnetenrauchende Trümmerstätten ihren blutigen Weg. Am 9. November wurden Welwarn, Wegstädtel, Raudnitz geplündert, am 17. November Hirschberg, das gleich dem Schlosse Widim zerstört wurde. Doch blieb Bürgstein wohl noch vor dem gleichen Schicksale verschont; denn unser Chronist Kriesche schreibt am 30. Dezember 1620: ... "und wollen den gerechten gott ihm himmel hertzlichen dancken das ehr bisshero unsere arme statt leipa, auch andere umliegende Herschaften, grinde und Boden vor den räuberischen, diebischen Kriegesvolck behiettet und vor sondern schaden bewahret bis dato."
Hatte aber unsere Gegend bisher auch keinen großen Schaden an geld und Gut erlitten, so war doch in Bürgstein selbst eine große Veränderung von sich gegangen. Die Anhänger des Winterkönigs, zu denen ja auch der Besitzer von Bürgstein gehörte, waren nach dem unglücklichen Ausgange der Schlacht am weißen Berg jeder Stütze beraubt und sahen sich jetzt wehrlos gegenüber dem siegreichen Herrscher. Mit knapper Not entrann Wenzel Berka, der Besitzer von Leipa und Reichstadt, dem ihm drohenden Verderben. Denn schon am 18. Jänner 1621 - so meldet uns Kriesche - ward dem Wenzel Berka sein ganzes Besitztum von den kaiserlichen Verordneten weggenommen. Wolf von Salhausen dagegen blieb nach der Schlacht am weißen Berge, obwohl als Anhänger Friedrich's von der Pfalz bekannt, noch einige Zeit in Böhmen, ja er wagte es sogar, den siegreichen Truppen Widerstand entgegen zu setzen, indem er Leipa in Verteidigungszustand hielt. Erst, nachdem seine Gemahlin, Christine von Bünau, Ende August 1621 verstorben war, verließ auch er Böhmen und ging nach Dresden, wo er im Jahre 1642, 58 Jahre alt, starb, und in der dortigen Frauenkirche begraben wurde. Seine Güter wurden konfisziert, auf 37251 Schock abgeschätzt und am 13. Jänner 1623 an Zdenco Leo Liebsteinsky von Kollowrat um 35000 Schock verkauft.

War bisher die Herrschaft Bürgstein den Lehren Luthers ergeben gewesen, so sollte sich dies mit dem neuen Besitzer auf einmal ändern. Schon längst war es ein frommer Wunsch Kaiser Ferdinand's gewesen, Luthers Lehre, die überall im Lande eingedrungen war, auszurotten und in ganz Böhmen wiederum der katholischen Kirche zuzuführen. Zwar ging man anfangs noch etwas schonend vor, doch je mehr das Kriegsglück sich auf Seite Ferdinand's neigte, desto energischer wurden die Mittel, desto schonungsloser wurde verfahren. Jeder Kreis erhielt einen Hauptmann, und auch unser Zdenco von Kollowrat wurde am 20. April 1629 zum Hauptmann des Bunzlauer und Leitmeritzer Kreises ernannt. Zdenco war so recht der Mann, alle Pläne des Kaisers zu verwirklichen. Einer der treuesten Anhänger Ferdinand's II. und der katholischen Kirche, hatte er tapfer an der Seite seines Herrn gegen die Aufständischen gekämpft; ihm war es zuzuschreiben, daß Budweis, welches ihm Bouquoi anvertraut hatte, sich zu halten vermochte. Als Mannsfeld abgezogen war, ernannte ihn der Kaiser zum Kommandanten von Tabor, Moldauteyn und Wittingen. Ein solcher Mann war ganz geeignet, Böhmen oder doch wenigstens einen großen Teil des Landes zu rekatholisieren. Energisch ging er an die ihm übertragende Aufgabe und mit aller Macht suchte er das Luthertum auszurotten. Schon sein Wirken vor der Ernennung zum Hauptmann zweier Kreise hatte das Augenmerk des Kaisers auf ihn gerichtet. Im jahre 1622 ließ er die Kirche von Bürgstein durch den Dechant Teubner von Reichstadt neu einweihen und im Feber und März 1628 war auch in Gabel die Rekatholisierung durchgeführt, in Niemes begonnen. Am 20. Mai 1630 berichtet Zdenco über einen Prädikanten, der sich mit Vorwissen des Burggrafen von Weißwasser in verschiedenen Orten aufhielt und den er hatte verhaften lassen. Auch für Bürgstein war er tätig. Am 3. Mai 1635 schreibt er nämlich an den Erzbischof, er möge gestatten, daß die Bewohner von Bokwen und Schwoyka zur Kommunion in die Kirche von Bürgstein gingen, weil in der Doberner Kirche, zu der sie eigentlich gehörten, die Sakramente vom Pfarrer selten gespendet würden.
Auch die Bewohner von Konoged sollten sich nach Bürgstein wenden, doch kam Zdenco bald von dieser Idee wieder ab und forderte von Ji?im Resestinov von Koberovic, daß auf der Pfarre von Konoged ein eigener Seelsorger angestellt werde, da der Priester "Taubnerus" aus Bürgstein drei Pfarren habe; da Resestinov seinen Wunsch nicht allzugleich erfüllte, trachtete Zdenco auf allerhand Umwegen zu seinem Ziele zu gelangen. Bald sendet er ihm ein eigenhändig geschossenes Reh, bald wiederum Rebhühner, Fasanen und dergleichen. So sah denn Zdenco endlich die Verwirklichung seines Lieblingswunsches heranrücken, denn schon lichteten sich die Reihen der Anhänger Luthers und wenn die Bekehrung nicht überall im gütlichen Wege von sich ging, so gab es doch immer noch andere Mittel, wobei insbesondere die Liechtensteiner Gragoner hilfreiche Hand boten.
Für seine großen Verdienste um den Staat war Zdenco bereits am 15. April 1624 von Ferdinand II. in den Grafenstand erhoben worden. Auch sein Besitzstand hatte sich vermehrt, da er im Jahre 1623 die konfiszierten Güter Kwassegowiz, Uhrziaky (?) und Dobrossowsky angekauft hatte.
Während dieser Vorgänge wütete der Krieg fort; auch Bürgstein mag von den Schrecken desselben nicht verschont geblieben sein; schreibt doch Zdenco am 26. April 1633 in einem Briefe an die Leitmeritzer: "Noch immer haben wir die gottlosen Feinde auf dem Halse, und da ich keinen Schutz finden kann, so weiß ich mir nicht anders zu helfen, als daß ich, wie andere Herren tun, mein Gut verlasse - soll dann Kreishauptmann sein, wer Lust hat! - Ich kann solche Quälereien der armen Leute, besonders meiner Untertanen, nicht länger sehen". Zdenco führte jedoch seinen Entschluss nicht aus, sondern blieb bis zu seinem am 24. Feber 1640 erfolgten Tode im Besitze von Bürgstein, wo er 1630 am Fuße des Einsiedelsteines ein neues Schloß hatte erbauen lassen. Zdenco war mit Helena Elisabeth Berta von Duba und Lippe vermählt gewesen, welche ihm 1610, Montag nach Misericordia, ihr sämtliches Vermögen verschrieben hatte. Als diese gestorben war, vermählte er sich mit Katharina, geb. Wrthy, und hinterließ einen einzigen Sohn, Wenzl Franz, und eine Tochter, Polyrene. In seinem, in Deutschbrod Montag nach Matthäus (25. September) 1634 errichteten und 1640 am 30. März einverleibten Testamente setzte er seinen Sohn zum Universalerben ein und bestimmte seiner Gemahlin nebst de Wohnung in Bürgstein 20000 Schock.
Noch öfters kamen die Feinde in die Umgebung von Bürgstein, um ringsum alles zu verheeren. Im Frühjahre 1643 zog Torstensohn plündernd durch das nördliche Böhmen und nahm Schloß Leipa mit Sturm ein; auch 1645 wurde die Umgebung vom Feinde heimgesucht. Im Jahre 1648 wurde Bürgstein von feindlichen Truppen durchzogen und hart mitgenommen; die Feinde raubten, plünderten und nahmen alles mit, was ihnen in die Hände fiel. Die Bewohner von Bürgstein suchten ihre Habseligkeiten so gut als möglich zu bergen und brachten einen Teil derselben in eine große Felsenhöhle, die sich, wie das Bürgsteiner Gedenkbuch berichtet, "von den Feldstücken des Paul Schlegel herauf in die Gebüsche zieht, und noch heute unter dem Namen Schwedenloch bekannt ist."
Zdenco's Sohn Wenzel sollte seine ererbte Herrschaft nicht antreten. Ob es nun wahr ist, wie Balbinus erzählt, daß er von seinen Eltern noch vor seiner Geburt für den Orden Loyola's bestimmt worden sei, oder ob er, wie Andere berichten, hiezu gewissermaßen gezwungen worden, kurz, Wenzel trat in den Jesuitenorden. Bevor er noch die Gelübde ablegte, bestimmte er am 2. September 1654 zu Gitschin, daß die Güter St?ela und Hostiz für den Bau des Prozeßhauses und der Niklaskirche auf der Kleinseite in Prag verwendet werden sollten. Hradek und Strej?kov sollten nach dem Tode der Nutznießerin Elisabeth, der Witwe nach Heinrich Liebsteinsky von Kollowrat, durch zehn Jahre administriert, die Einkünfte daraus ebenfalls zu demselben Baue verwendet und die Güter hierauf um 20000 Sl. rhein. verkauft werden, wovon 5000 Sl. dem B?esnitzer Jesuiten-Collegium, je 2000 Sl. dem Stifte Strahow und dem Elisabethiner-Spitale, der Rest aber dem Baue des Prozeßhauses zugewendet werden sollte. Das Verkaufsrecht räumte er dem Vetter Franz Karl, Enkel Johann's ein, der jedoch im Jahre 1665 am 26. März zu Gunsten des B?esnitzer Jesuiten-Collegiums darauf verzichtete. Endlich bestimmte er 5000 Sl. Capitalien zum Ankaufe eines Bauplatzes für ein Jesuiten-Collegium in Glogau. Nur das Gut Bürgstein blieb bei seiner Mutter, damals wieder verehelichten Koko?oveß, eigentümlich. Er starb in Rom am 9. Oktober 1659.
Die anderen Güter seines Vaters waren durch die kriegerischen Wirren in Verfall geraten; eine große Schuldenlast haftete auf ihnen, so daß sie in Folge dessen öffentlich feilgeboten werden mußten. Es wurde eine Kommission bestellt, welche Bürgstein (1654, 15. Juli) an Katharina von Koko?oveß verkaufte; Schwoyka dagegen fiel, da sich bei der Feilbietung niemand als Käufer fand, an Adam Franz von Knobloch, welcher dasselbe nebst dem Dorfe Plesse und dem Dorfe Heida um 10070 Schock 45 Groschen 2 1/4 Pfennige erkaufte. Katharina trachtete jetzt, die Güter wieder in tüchtigen Stand zu setzen, und sie selbst sah überall bei der Arbeit nach; tatkräftig, wie sie war, brachte sie es auch wirklich dahin, daß sie das Gut in blühenden Zustande ihrem Sohn aus zweiter Ehe, Ferdinand Hroznata, zu hinterlassen vermochte. Dieser, selbst ein tüchtiger Mann, war bestrebt, den blühenden Zustand auch ferner auf seinen Gütern zu erhalten; er unterstützte Handel und Gewerbe; erteilte 1683 den Bürgsteiner Glasschneidern Priviliegien, und war auf's beste für seine Untertanen bemüht. Er war es auch, der sich des vergessenen und halb zerfallenen Einsiedlersteines annahm, zahlreiche Felsengemächer in den Stein einhauen ließ und denselben in bewohnbaren Zustand versetzte. Bald fanden sich denn auch Bewohner der einstigen Ritterburg. Einsiedler, die ihr Leben in beschaulicher Ruhe verbringen wollten, begannen sich anzusiedeln. Der erste Bewohner war um 1690 Constantin, seines Zeichens ein Maurer, dem später Wenzel, ein Maler, folgte, dem das Hauptaltarbild in der Kirche von Bürgstein zu verdanken ist. Zuletzt kam der Einsiedlerstein in den Besitz der Ivaniten, einer Eremiten-Congretation, die ihren Gründer in dem heiligen Ivan verehrte, bis endlich durch ein Dekret Kaiser Josef's II. diesen Einsiedeleien ein Ende gemacht wurde.
In die Zeit der Herrschaft Ferdinand Hroznata's fällt ein Ereignis, welches nicht nur Bürgstein hart betraf, sondern auch einen großen Teil Böhmens, ja Deutschlands zahlreicher Bewohner beraubte; es ist dies die Pest der Jahre 1679 und 1680. Nach einer Sage brachte ein Müllerbursche den Peststoff nach Bürgstein. Derselbe kehrte in der oberen Mühle ein und starb noch in derselben Nacht; schon nach einigen Tagen wurden auch andere Bewohner Bürgsteins von der Pest befallen und starben ebenfalls dahin. So verbreitete sich diese schreckliche Krankheit immer weiter und holte sich ihre Opfer. Es wurde für die an der Pest Gestorbenen ein eigener Begräbnisplatz angewiesen, der sich in der Heide zwischen Bürgstein und Maxdorf befand. In der Gemeinde Bürgstein sollen 30 Personen an der Pest gestorben sein, eine ziemlich bedeutende Anzahl, wenn man die damals nur geringe Bevölkerung des Ortes in Betracht zieht. Die Bewohner von Bürgstei, sowie aller zur Bürgsteiner Pfarrei gehörigen Ortschaften machten damals ein feierliches Gelübde, alle Jahre zu Ehren der heiligen Rosalia, durch deren Fürbitte man die Abwendung der Pest erfleht zu haben wähnte, ein Buß- und Dankfest zu feiern, welches Fest denn auch wirklich alle Jahre am 4. September - dem Tage der heiligen Rosalia - feierlich begangen wird. Auch andere Ortschaften wurden von dieser furchtbaren Krankheit ergriffen. In Leipa starben binnen sieben Monaten 500 Menschen, in gleicher Weise verloren Niemes, Reichstadt, Wellnitz, Wartenberg x.? zahlreiche Bewohner.
Im Jahre 1710 verkaufte Peter Franz von Hoko?ova, der Sohn Ferdinand's im eigenen und im Namen seiner sechs Brüder Bürgstein an Wenzel Norbert Octavian Kinsky, Besitzer von Chlumetz, Kamnitz und Chotzen, um 25000 Sl. rhein. Bei diesem Geschlechte blieb nun Bürgstein fortan und es beginnt von diesem Zeitpunkte an für den Ort eine neue Ära; Handel und Gewerbe heben sich, blühen und machen den Ort zu einem wichtigen Handelsplatze des nördlichen Böhmens. Wenzel, geboren am 1. April 1642, erhielt eine ausgezeichnete Erziehung. Nachdem er die Universität verlassen, machte er Reisen durch ganz Europa, um dann wieder in seine Heimat zurückzukehren. Hier bekleidete er eine hochachtbare Stellung. Er ward Kämmerer, 1676 Appellations-Rat, 1688 Appellations-Präsident und Statthalter von Böhmen, 1689 wirklicher geheimer und Conferenz-Rat, 1696 oberster Landrichter, 1701 oberster Landkämmerer, 1704 Hofkanzler, 1705 Oberstkanzler. Seine Verdienste um die Hebung des Handels und der Gewerbe in Böhmen sind äußerst rühmenswert; auch der Monarch sah dies ein und erhob ihn am 21. April 1687 in den Grafenstand; später erteilte er ihm den Orden des goldenen Vlieses. Wenzel war mit Anna Franziska Barbara von Martinitz vermählt, aus welcher Ehe ihm vier Söhne: Johann Wenzel Octavian, Bernhard Anton, Franz Ferdinand und Stephan Wilhelm, sowie fünf Töchter: Anna Maria Franziska (geb. 1672, gest. 24. Juli 1738), Maria Elisabeth (geb.1673, gest. 1741), Johanna Karolina (geb. 1674, gest. 23. Feber 1755), Rosalia (geb. 1675) und Margaretha Josefa (geb. 1676, gest. 1766), geboren wurden. Als seine Gemahlin auf einem Besuche bei ihrer Tochter in Jauer im Dezember 1694 gestorben war, schritt Wenzel zu einer neuen Ehe; er vermählte sich nämlich mit Maria Anna Theresia Freiin von Nesselrode, welche ihm drei Söhne: Phillip Josef, Josef Johann Maximilian und Franz Karl, und vier Töchter: Eleonore Josefa (geb. 1698), Maria Theresia (geb. 1699), Aloysia Stephana (geb. 20. Dezember 1707) und Elisabeth, schenkte.
Wenzel besaß weite und ausgedehnte Besitzungen, die er nach und nach als einstiges Erbteil für seine Kinder sich erkauft hatte. Von seinem Vater hatte er die Herrschaft B.-Kamnitz, und nach seines Bruders - Franz Ullrich - Tode auch Chlumetz erhalten. Am 9. Jänner 1706 begründete er eine Majoratsherrschaft, bestehend aus den Gütern Hradichtko, Wyklek, Be?unicky, Winarsch, Wlkow und Slibowitz (482 Quadratmeilen mit 58 Ortschaften und ca. 30000 Bewohner). Wenzel erwarb ferner die Herrschaft Chotzen, bestehend aus der Stadt Chotzen und 22 Dörfer, die Herrschaft Ratai im Kaur?imer Kreise, bestehend aus dem Flecken Ratai und 25 Dörfern vom Grafen Talmburg; vom Grafen Wenzel von Sternberg kaufte er die Herrschaft Ianowitz. Ferner gehörten ihm das Gut Kolodej, die Herrschaft Prtschitz, das Gut Draschiczko, die Herrschaft Nadeygkau, Richenburg und Rossitz. Seinen mächtigen Einfluß machte Wenzel überall für das Wohl seiner Untertanen geltend, wie ihm denn überhaupt viele treffliche Neuerungen zu verdanken sind. Insbesondere ist der bedeutende Aufschwung der Glasindustrie im nördlichen Böhmen ihm zu verdanken; bereits 1669 erteilte er den Glasmalern und Glasschneidern in Kreibitz Statuten; 1694 erteilte er sie gleichfalls den Glasschneidern, Glasmalern und Schraubenmachern in Steinschönau. Nachdem er so lange Jahre hindurch nur für das Wohl der Seinen und seiner Untertanen gelebt hatte, starb er am 3. Jänner 1719. Interessant ist das Testament, welches er hinterließ, und in welchem er ganz genau verzeichnete, wie er begraben sein wollte. Bettelleute sollen die Fackeln tragen, wofür ein jeder von ihnen einen Dukaten erhält; diejenigen Bettler, welche ihn ins Grab senken, erhalten einen Taler. Sobald er krank werde, sollen 20000 Messen gelesen werden, ebensoviele, wenn er stirbt. Zugleich sollen 1000 Sl. an Almosen verteilt werden.
Einer der größten Wohltäter der Herrschaft Bürgstein aber wurde Josef Johann Maximilian Kinsky, der am 13. Oktober 1705 geboren wurde. Auch er besaß großartige Besitzungen, die er teils geerbt hatte, teils im Laufe der Zeit sich erwarb. Von seinem Vater ererbte er nebst Bürgstein auch Radejšin, Drahobus und Bibersdorf, dazu kaufte er Martinowes, Cakowic und Pod?ed?lic, verkaufte jedoch bald darauf wieder Martinowes und Radejšin an seinen Neffen Fürsten Ullrich Kinsky; am 7. Jänner 1771 kaufte er vom Grafen Anton Hamilton Lohowa, Lichtenstein und Krachowitz, 1775 von seinem Neffen Franz Josef das Gut Zwickowetz und Chlum um 60000 Sl. Vom Grafen Pachta kaufte er 1749 das Gut Tschkowitz, Poczegitz und den ersten Lehenshof in Zebus um 147000 Sl. und 1000 Sl. Schlüsselgeld, so daß er also einer der mächtigsten und reichsten Grafen im nördlichen Böhmen wurde. Handel und Gewerbe nahmen unter seiner Ägide einen besonderen Aufschwung, und die Glasindustrie auf seinen Gütern erhielt einen solchen Ruf, daß die Erzeugnisse derselben weithin Verbreitung und Anerkennung fanden. Selbst fremde Weltteile suchten ihre Waren aus Bürgstein und Steinschönau zu beziehen. Bedeutende Firmen wurden gegründet und der Wohlstand der Bewohner hob sich in sehr erfreuliche Weise. Kinsky errichtete zwei Spiegel-Fabriken, die eine in Wellnitz (1756), die andere in Lindenau; außerdem eine Kattun-Fabrik in Bürgstein, eine Perlen-, eine Tapeten- und eine Wachsleinwand-Fabrik (1760) in Schwoyka, das er 1750 vom Ritter Franz von Golz erkauft hatte; auch in Haida und Lindenau ließ er große Gebäude errichten, in denen Webereien errichtet wurden. Viele Hundert Menschen arbeiteten in diesen Fabriken und erhielten so ihren Unterhalt.
Haida, das anfangs ein unbedeutender Flecken gewesen, hob sich unter dem Schutze des Grafen zu einer bedeutenden Industriestadt im nördlichen Böhmen, zum Mittelpunkte böhmischer Glasindustrie. Im Jahre 1757 ward Haida durch des Grafen Verwendung von der Kaiserin Maria Theresia zur Schutzstadt erhoben und mit Privilegien versehen. Auch Langenau und Blottendorf hoben sich gewaltig. Graf Maximilian bestätigte 1770 die den Glasmalern, Glasschneidern und Schraubenmachern der Bürgsteiner Herrschaft von Ferdinand Hroznata verliehenen Statuten; 1776 erbaute er die auf den "Zwittenwiesen" existierende Schleifmühle, 1777 errichtete er in Stubenbach eine Spiegelfabrik. Josefsdorf wurde erbaut, ebenso Maxdorf und beide Ortschaften nach ihrem Besitzer benannt.
Der in den einzelnen Ortschaften erweckte Geschäftsgeist begann sich allmählich fühlbar zu machen; zahlreiche Bewohner unternahmen im Interesse ihrer geschäftlichen Beziehungen Reisen nach Holland, Spanien und Portugal, etablierten sich daselbst und machten glänzende Geschäfte. Wie weit sich dieselben erstreckten und welchen Einfluß dieselben auf die heimische Industrie ausübten, hat Dr. Schebek in seiner "Geschichte der böhmischen Glasindustrie" auf das Deutlichste und Genaueste auseinander gesetzt. Viele von den Bewohnern Bürgsteins verlegten sich auf die Leinenindustrie, die gleichfalls in ausgedehntem Maße hier betrieben wurde. 200 Webstühle, darunter 30 für Tisch- und Damastzeuge und zehn für Leinwandtüchel, befanden sich auf der Bürgsteiner Herrschaft; desgleichen eine Wachsleinwandfabrik und eine Leinwandfärberei; die jährliche Erzeugung und Versendung belief sich auf 2400 Stück Leinwand, 2600 Stück Wachsleinwand und 170 Garnituren Tischzeug, im Werte von 56000 Sl.
Graf Maximilian führte unter anderen Neuerungen auch die ein, daß er die auf der Herrschaft bestehenden Meierhöfe aufhob. Die zu denselben gehörigen Feldern wurden in Baustellen zerstückelt und an die Untertanen gegen Entrichtung eines festgesetzten jährlichen Zinses verkauft. Dieselben wurden zwar anfangs nicht sonderlich begehrt, ja man mußte sie den Bauern mitunter förmlich aufzwingen; erst in späterer Zeit nahm man sie willig. Eine solche Baustelle enthielt sechs Strich Acker und anderthalb Strich Wiese; unter den aufgelösten Meierhöfen befanden sich auch die von Bürgstein, Pihl, Schwoyka, Maxdorf und Josefsdorf, ferner Johannesdorf und Pihlerbaustellen (1755)
Im Laufe der Zeiten war das alte Schloß ziemlich baufällig geworden und keineswegs mehr würdig, der Sitz eines so mächtigen Grafen zu sein. Deshalb erbaute denn Graf Maximilian im Jahre 1730 ein neues Schloß in der Nähe der Kirche, und in einiger Entfernung hievon eine Kapelle zum heiligen Nepomuk; an der Westseite des Schlosses wurde ein geschmackvoller Garten angelegt, von dem aus eine herrliche Lindenallee bis zur Kapelle führt. Allein Graf Kinsky war nicht nur auf seine eigenen Bedürfnisse bedacht, er sorgte auch für die seiner Untertanen auf die liebevolle Weise. Seine Sorge für ihr Wohl schuf ein Spital, ein Waisenhaus, sowie eine Stiftung für ewige Zeiten, vermöge welcher mehrere Erwachsene und einige verwaiste Knaben Wohnung und Kleidung erhielten; er unterrichtete ferner (1736) in Haida ein Piaristen-Collegium, in welchem im Zeichnen, im Französischen und der doppelten Buchhaltung Unterricht erteilt wurde. Damit ja keine Not unter der Bevölkerung ausbrechen sollte, war er auch bedacht, eine gleichmäßige Verteilung der Handwerke unter seinen Untertanen herbeizuführen; deshalb duldete er, wie ein Dekret vom 26. Oktober 1776 ausweist, nicht, daß Glasschneider, Kugler, Schleifer, oder andere dergleichen Arbeiter daneben auch das Glasvergolden in die Hand nehmen und "andurch denen ohnedem zahlreich befindlichen Vergoldern ihr Verdienst und Nahrung schwächen oder zum Teil gar benehmen mögen". Auch gestattete er nicht, daß freiledige Leute zum Nachteil deren mit Weib und Kindern sich zu vernähren, auch kayserl. und obrigkeitl. Schuldigkeiten zu prästieren habender Vergolder in diese Arbeit und dessen ferneren Betrieb sich einmischen sollten." Er wollte hierdurch den Landkredit erhalten, "damit in sothaner Arbeit zum schädlichen Nachteil der Glashandlung selbsten nicht geschleudert werde." An demselben Tage (26. Oktober 1776) erteilte Graf Kinsky den Falkenauern das Recht, allein die Glasvergoldungskunst ausüben zu dürfen.
Die väterliche Sorgfalt des Grafen für seine Untertanen zeigte sich aber am schönsten in jenen Tagen des Jahres 1771, als auf seinen Besitzungen die Hungersnot ausbrach. Der Strich Korn war bis auf 16 und 17 Sl. gestiegen, in manchen Orten sogar bis 18 Sl.; Hafer auf 5 und 6 Sl. Zwar war man bestrebt, die allgemeine Not durch Einführung von Getreide zu lindern, doch genügte dies kaum den bescheidensten Ansprüchen. Furchtbar waren die Folgen. Täglich mußten 13-14 Personen mit den heiligen Sterbesakramenten versehen werden, und Hunderte starben dahin. In Zwickau waren gegen 300, in Mergthal 400 Hungers gestorben. Das Doberner Gedenkbuch schreibt, daß täglich mitunter drei Begräbnisse stattfanden und man Bettler auf der Straße vor Hunger ihren Geist aushauchen sahe. Da war es denn der unermüdliche Graf abermals, der als ein rettender Engel erschien und alle seine Kräfte anstrengte, wo es Not tat, Linderung zu schaffen. Geld und Brot wurde unter die Armen ausgeteilt, bis die Not teilweise ein Ende genommen hatte. Noch 1772 widmete er 2000 Sl., damit in Pihlerbaustellen Krankenzimmer hergestellt und Wärter aufgenommen würden, um den Kranken Nahrung und Verpflegung zu bieten.
Zwei Jahre vor dem Tode des um Bürgstein so hoch verdienten Grafen, im Jahre 1778, schien es, als wolle zwischen Österreich und Preußen ein heftiger Kampf um die baierische Thronfolge ausbrechen. Das preussische Heer überschritt bereits am 1. August die böhmische Grenze und drang in Eilmärschen in Böhmen ein, so daßes sich bereits am 2. und 3. August in Bürgstein befand. Hier lagerte es sich bei Schwoyka und Plesse und hielt sich daselbst sechs Tage auf. Prinz Heinrich von Preußen hatte sein Hauptquartier im Schlosse zu Schwoyka aufgeschlagen. Die Preußen hausten sehr übel und requirierten fast unerschwingliche Massen an Lebensmitteln, Vieh und Getreide. Alles Getreide, das die Bauern auf ihren Böden hatten, wurde ihnen weggenommen; namentlich wurden dem damaligen Pfarrer von Bürgstein, P. Thomas Rupprecht, 168 Strich Korn genommen. Alles Getreide, das noch auf den Feldern stand, wurde abgemäht, so daß den Leuten nicht das Geringste übrig blieb; auch wurde nebstdem auf der Herrschaft Bürgstein eine Brandschatzung von 15000 Sl. eingetrieben. Lange Zeit standen die feindlichen Heere einander gegenüber, bis endlich durch den Frieden von Teschen Ruhe im Lande wurde.
Bald nach diesen Ereignissen legte Maximilian sein Haupt zur Ruhe; am 17. April 1780 starb er zu Prag, allgemein betrauert. Am 18. April wurde sein Leichnam in die Johannis-Kapelle nach Bürgstein gebracht, und am folgenden Tage feierlich in der Gruft der Bürgsteiner Pfarrkirche bestattet, wobei der Dechant von Reichstadt, Expedit Edler von Schönfeld, die Leichenrede hielt. Die Verdienste des Verblichenen rühmt uns in einfachen Worten sein Grabstein: "Seinem Vaterlande gab er Verdienste, Gewerbe und Handel, seinen Untertanen Eigentum, Freiheit und Reichtum."
Nach seinem Tode übernahm sein Großneffe Graf Phillip Kinsky (geb. 4. August 1742) die Herrschaft. Er hatte sich dem Militärstande gewidmet und dient als Hauptmann im Regimente Poniatowski, mit dessen Inhaber er nahe verwandt war. Später wurde er Oberst, Kämmerer, Generalmajor und 1798 Generalfeldwachtmeister; er war mit der Gräfin Maria Theresia Josefa Johanna Nepomucena von Dietrichstein vermählt, welche Ehe jedoch kinderlos blieb. Auch er war auf das eifrigste für das Wohl seiner Untertanen bemüht, jeder Arme und Notleidende fand bei ihm Hilfe und Unterstützung.
Im Jahre 1826 erkrankte er in Prag, doch erholte er sich in kurzer Zeit wieder. Im Februar 1827 warf ihn jedoch abermals eine Krankheit auf das Lager, von dem er sich nicht mehr erheben sollte; nach kurzem Leiden entschlief er am 14. Februar 1827. Seine Leiche wurde am 17. Februar nach Bürgstein gebracht, und am 19. vor dem Eingange zur Kirche beigesetzt, bis eine gelindere Witterung es möglich machte, ihm eine Ruhestätte in der St. Johannis-kapelle nach seiner letztwilligen Anordnung zu bereiten, wohin er denn auch am 1. Juli übertragen wurde.
Sein Neffe Karl übernahm nun die Herrschaft und ließ seinem Onkel ein Denkmal setzen, welches in beredten Worten ihn schildert, als "einen treuen Verehrer der Religion, eines der vorzüglichsten Adelsmitglieder, und einen eifrigen, aber prunklosen Wohltäter der Menschheit."


Quelle: Mitteilungen des Nordböhmischen Exkursion Klubs (Band 4, Seiten 129 - 136)
Quelle: Mitteilungen des Nordböhmischen Exkursion Klubs (Band 5, Seiten 175 - 184)

(Auf die für den Text im Original existierenden Fußnoten wurde bei dieser Abschrift verzichtet)
Mario
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